Wohneigentum hat in Deutschland einen hohen Stellenwert, ist aber schwer zu bekommen. Der deutsche Immobilienmarkt hat nach dem Einbruch infolge der Zinswende zwar wieder Fahrt aufgenommen. Dennoch ist die Eigentumsquote im europäischen Vergleich weiterhin extrem niedrig.
Im Jahr 2025 stiegen sowohl die Zahl der Kaufverträge als auch die Preise für Wohnimmobilien. Gleichzeitig blieben die regionalen Unterschiede erheblich. Das geht aus aktuellen Daten des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse (AK OGA) hervor. Bundesweit wurden rund 872.000 Immobilienkaufverträge registriert – acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Rund 198 Milliarden Euro flossen in den Kauf von Ein- und Zweifamilienhäusern, Eigentumswohnungen, Mehrfamilienhäusern sowie Wohnbaugrundstücken.
Die Preise entwickelten sich in den meisten Wohnsegmenten wieder nach oben. Gebrauchte Reihenhäuser und Doppelhaushälften verteuerten sich im mittleren Preissegment um rund vier Prozent auf 2.470 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Bei freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern fiel der Anstieg mit weniger als einem Prozent auf 2.420 Euro je Quadratmeter deutlich geringer aus. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosteten durchschnittlich 2.390 Euro je Quadratmeter, Neubauwohnungen 4.460 Euro.
Warum es Erwerbern so schwerfällt, Wohneigentum zu kaufen, hat das IW-Institut ermittelt. Die Wirtschaftswissenschaftler fordern seit Jahren, die Steuerlast beim Immobilienerwerb zu senken. In einigen Bundesländern werden beim Immobilienkauf bis zu 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer fällig. Zudem sind Käufer, die selbst einziehen, gegenüber Vermietern in Deutschland steuerlich deutlich benachteiligt. Wer beispielsweise eine Wohnung in einer Metropole für 300.000 Euro kauft und selbst nutzt, verliert gegenüber einem Vermieter innerhalb von 15 Jahren rund 87.000 Euro.
Deutschland ist damit ein Sonderfall in Europa: In allen sechs Vergleichsländern begünstigt das Steuerrecht die Selbstnutzung – etwa durch niedrigere Kaufnebenkosten für Eigennutzer. In keinem anderen Land der Europäischen Union leben so wenige Menschen in den eigenen vier Wänden wie hierzulande. Im Jahr 2022 lag die Eigentumsquote in Deutschland bei lediglich 44 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen bei rund 70 Prozent.